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Pavel Kryz

Chronologie

Familie

Pavel Kříž wird 1959 in Prag geboren. Seine Eltern stammen aus Mittelstandsfamilien. Sein Großvater aus der Vaters Seite wurde während der Okkupation der Tschechoslowakei als linksorientierter Intellektuelle und Antifaschist verhaftet und starb im Konzentrationslager. Die Großmutter hat drei Kinder allein erzogen.

Sein Vater Karel Kříž musste in den fünfziger Jahren als Bergmann in Uranwerken in Příbram arbeiten. Später verdiente er seinen Lebensunterhalt als Elektriker bei einer Baufirma.

Seine Mutter Irena Křížová /Uhrová/ stammt von einer tschechisch-deutschen Ehe her. Die Familie des Kleinunternehmers lebte in den Sudeten, zog aber im Jahre 1939 nach Prag um, wo sie schon blieb. Obwohl die Familie während der Okkupation eine klare Stellung zum Nazismus genommen hatte, wurde sie nach dem Krieg von dem kommunistischen Regime diskriminiert.
Die Eltern von Pavel Kříž durften nicht studieren. Niemand aus der Familie war Mitglied der Kommunistischen Partei.

Kindheit 1959–1974

Seine frühen Jahre erlebt er in einem damals idyllischen Prager Vorort Velká Chuchle. Er wohnt hier mit seinen Eltern und seinem Bruder in einer geteilten Wohnung in dem gleichen Zinshaus wie seine Großeltern. Sein Großvater hat lange als Hausmeister und zugleich Projektormeister im Kino im Erdgeschoss des Hauses gearbeitet. Als Kind konnte er deshalb viel Zeit in der Projektionskabine verbringen und wohl alle bekannten Filme der Zeit sehen. Er hat eine neue innere Welt entdeckt, die sich schnell entwickelnde Zauberwelt des Filmes. Das Städtchen war voll von Kontrasten, pittoresken Bewohnern, Sonntagsausflüglern, ehemaligen und heutigen Jockeis, Gutsbesitzern und Pferdezüchtern. Zu den klarsten Erinnerungen an die frühe Kindheit werden immer schwarzweiße Filme, Sommerbaden in der Moldau, Straßen mit Pferden und ein großer Pferderennplatz gehören, der jeden Sonntag von vielen Pferdesportschwärmern besucht wurde.

Die ländliche Idylle des Bäumekletterns und Wälderlaufens endet im Sommer 1967, weil die ganze Familie in eine neue Wohnung in der Siedlung am anderen Ufer der Moldau umzieht. Das Vorort-Leben ist zu Ende und es beginnt eine neue Periode des Lebens in der Realität der neuentstehenden Stadtperiferie. Eine neue Szene, neue Requisitäten. Parkanlagen, Wiesen und Wälder werden durch grobe Bauten der Häuser mit Gerüsten, tiefe Liftschächte, Ausgrabungen voll vom Wasser, Armaturen und Kabel ersetzt.

Die Jahre 1968–69 erlebt er ähnlich wie die meisten Prager Kinder. Sie besichtigen die Okkupazion-Panzer und Spuren nach Kugeln an der Fassade des Nationalmuseums, sammeln Trikoloren.

Sie leben in einer schizophrenischen Gesellschaft, in der Schule spricht man oft anders als zu Hause. Er interessiert sich aber schon für andere, für ihn wichtigere Sachen: Zeichnen und Malen.

Im Jahre 1974 schickt er eine Anmeldung an die bekannte Prager Kunstmittelschule Hollarka. Die Eignungsprüfung absolviert er mit großem Erfolg, trotzdem wird er aus politischen Gründen nicht aufgenommen. Deshalb verbringt er ein halbes Schuljahr am Gymnasium Pražačka. Diese fünf Monate hält er für die schwierigste Zeit seines Lebens.

Hollarka

Noch während des ersten Schuljahres tritt er in die Kunstmittelschule Hollarka über. Diese Schule unter der Leitung des Prof. J. Vondráček ist ein absoluter Gegensatz zu dem Normalisierungsgymnasium. Die Welt beginnt zu strahlen und das Studium ist sinnvoll. Er trifft hier mit seinen sechzehn Jahren Freunde und künftige Kollegen, die für bildende Kunst leben. Er lernt hier alle graphischen und malerischen Techniken, die Grundlagen der Fotografie, Bildhauerei und des Modellbaus kennen. Die Schüler bleiben in der Schule oft bis Abend und nutzen alle Bedingungen, die ihnen die Schule für ihre Arbeit bietet. Es waren für ihn die schönsten Studentenjahre. Nach dem Abitur 1978 wird er an der Prager Akademie der bildenden Künste AVU, Fach Malerei, aufgenommen.

AVU

Nach der zweijährigen Vorbereitung, es wurden realistisches Zeichnen und Malen gedrillt, beginnt er im dritten Jahrgang im Atelier der figuralen Malerei bei dem Prof. Karel Souček zu studieren. Er findet hier eine positive Atmosphäre und relative Freiheit der bildenden Äußerung, die die Persönlichkeit des Prof. K. Souček beschützt, des damals schon kranken, ehemaligen Bohem-Künstlers, des Mitglieds der Gruppe 42. Er erlebt hier noch die letzten Jahre an der Prager AVU, bevor die alte Generation der Künstler weggeht und die neue, mehr praktische Generation kommt. 1985 beendet er sein Studium an der Kunstakademie mit einer Diplomarbeit, für die er den Preis der AVU bekommt. Es handelt sich um einen Zyklus von Bildern mit dem Thema der Frauenakte "Modelle", weiter um einen Karton für die Steinmosaik und Illustrationen zum Buch "Sieben Stockwerke" von Dino Buzzati.

Familie / Arbeit 1986–1992

Nach dem Militärdienst (die Slowakei, 1985–86), kommt sein Sohn zur Welt, er heiratet und versucht seine Familie durch Illustrationen von Büchern und durch den Verkauf von seinen Büchern zu ernähren.

Seine erste Ausstellung im Klub der Schriftsteller zeigt seine Illustrationen und die nächste Ausstellung im Institut der makromolekularen Chemie wirkt ähnlich. In diesen Jahren benutzt er zum ersten Mal das Pseudonym KRYZ. Seit dem Jahre 1987 beginnt er auch seinen Lebensunterhalt als Restaurator der Wandmalereien zu verdienen. Er löst damit seine Existenzprobleme und findet auch einen freien Weg zu eigener Schaffungsfreiheit ohne gesellschaftliche Zensur. In dieser Zeit schwenkt er von der figuralen Malerei ab und beginnt neue bildende Formen in der dekorativen Gestaltung zu suchen. Er bildet auf seinen Bildern dichte Netze und gestaltet so einen eigenartigen, sich ändernden Raum von imaginären Szenen.

Diese Arbeit erreicht ihren Höhepunkt 1991–92 während seines Studienaufenthaltes in Tessin in der Schweiz. Hier malt er eine Menge von überzeitlichen Bildern, er arbeitet mit transparenten Soffen und gewebten dekorativen Textilien. Er benutzt auch alte Xerokopien und fotografische Vorlagen. Die Werke, die er in Tessin gesschaffen hat, stellt er in "Pallazo Morettini" in Locarno aus.

Nach der Geburt seiner Tochter 1992 kehrt er nach Tschechien zurück, er trifft seine Freunde und Malerkollegen wieder, J.Žáček, V. Merta, M. Tittlová, P. Malovaný, und er beginnt wieder die Wandmalereien zu restaurieren. In Tessin hat er viele bildende Formen und Techniken gefunden und probiert, die er bei seiner weiteren Arbeit benutzen kann. Diese Formen präsentiert er mit großem Erfolg in der Galerie BEHEMOT mit der Ausstellung "Zwischenzeit" (1992).

Nach neuen Malererfahrungen sucht er für seine Malerei nach neuen Wegen und er gelangt bis zur minimalistischer Malerei. Er malt schwarzweiße Bilder (SCHWARZ WEISS, Galerie FUTURE, 1993), bildet Werke aus den Fotos der alten Filmstars (FORMALIE, Galerie Nová síň, 1994; KOLÁŽE, Galerie ATRIUM, 1995) und bemalt mit der weißen Farbe den durchsichtigen Seidenstoff. Diese Periode gipfelt mit der Ausstellung WEIß in der Galerie Pecka im Jahre 1998.

Seit seiner Rückkehr aus Tessin realisiert er bis Ende 2000 seine Tessiner Ideen. In diesen Jahren befreit er sich in seinem formalen und später koloristischen Werk absolut von den Schuleinflüssen und auch von dem Druck der künstlerischen Gesellschaft auf die Priorität der Weltbedeutung des Werkes, den die Nachnovembergarnitur ausübte.

Die Jahre 1999–2001 bilden einen Wendepunkt in seinem Werk. In dieser Zeit verzichtet er auf die intellektuelle Form zugunsten der eigenen Malerei, an der er sich erfreut und die absolut frei und ganz anders ist als alle Bilder, die er bis jetzt gemalt hat. Auf den ersten Bildern –2001– benutzt er eine neue Malgestaltung und findet Inspiration bei den Meistern der klassischen Malerei-Ingres und Giorgione. Die Bilder "Venus" und "Odaliske" bilden eine neue figurale Sprache seiner Malerei. Er kehrt zur realistischen Malerei zurück, vor allem zur figuralen Malerei, die er studiert hat und die jetzt in seinem Werk sehr stark vorkommt. In den Jahren 2001–2002 ändert sich auch sein Familienleben. Er lässt sich scheiden und zieht in eine Wohnung, die er auch als Atelier benutzt.

Gegenwart

Seit dem Jahre 2007 macht er sich mit einer neuen Energie an die Arbeit, als ob er jahrelang geschlafen hätte und jetzt alles nachholen müsste. Sein Spektrum ist jetzt sehr breit. Er malt Landschaften, Stilleben, Porträts, Szenen aus der Straße. Er nimmt Szenerien aus Filmen und Fotos auf und bearbeitet sie als abstrakte Themen, die sich dann wieder verbinden. Er entdeckt eine neue Freiheit gerade in der realistischen Malerei. Die Malerei wird selbständig, sie belehrt den Zuschauer nicht, sie selbst baut Gefühle und Beziehungen zu dem Zuschauer. Er arbeitet mit einem visuellen Erlebnis, er serviert es dem Zuschauer und glaubt, dass das Werk selbst sich den Weg zum menschlichen Herzen öffnet und den Menschen anspricht. Er will einfach nur malen. Nur das Thema wird zum Inhalt der Bilder und die Form der Malerei schließt alle Spekulationen und künstlerische Ideologie aus. Seine Strandszenerien sind also nur Bilder von Sonne und Leuten am Sandstrand . Die Personen haben separat keine Bedeutung, sie sind nur ein Lichtreflex einer schönen Zeit.

Jedes von seinen Bildern wird zu einer gewissen Mantra, die Leute können dabei weinen aber sie können sich auch freuen. Ohne große Expresivität malt er Bilder, die ihr eigenartiges Leben leben, die den Anblick des Zuschauers fordern und ihn fesseln. Ende 2008 und die Jahre 2009–10 sind sehr produktive Jahre. Er malt so, wie er immer wollte, die Farbe benutzt er als Kommunikationsmittel zwischen dem Autor und dem Zuschauer.